© Lode Saidane

IWO bringt ostdeutsche Wasserstoffperspektiven nach Brüssel und wirbt für verlässliche Investitionsbedingungen

Brüssel, 2. Juli 2026 – In Ostdeutschland entstehen derzeit zahlreiche Wasserstoffprojekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen für deren Umsetzung werden jedoch maßgeblich auf europäischer Ebene gestaltet. Vor diesem Hintergrund brachte die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland e.V. (IWO) am 1. Juli Vertreterinnen und Vertreter der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, der ostdeutschen Bundesländer sowie aus Industrie und Verwaltung zum IWO Policy Dialogue in Brüssel zusammen. 
„Ostdeutschland verfügt über starke Wasserstoffprojekte, industrielle Kompetenz und hervorragende Voraussetzungen für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft. Mit dem Policy Dialogue haben wir diese Perspektiven direkt in die europäische Debatte eingebracht und den Austausch mit den europäischen Entscheidungsträgern gestärkt“, sagte Dominik Härle, Geschäftsführer der IWO. 

Wasserstoff als Chance für Ostdeutschland und Europa 
Zum Auftakt der Veranstaltung betonte Elisabeth Kaiser, Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, in einer Videobotschaft die Bedeutung Ostdeutschlands als Energie- und Wasserstoffregion. Sie verwies auf die Chancen für Wertschöpfung, Beschäftigung und industrielle Entwicklung sowie auf die Bedeutung europäischer Zusammenarbeit für den erfolgreichen Aufbau der Wasserstoffwirtschaft. 
Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, unterstrich die Bedeutung der europäischen Ebene für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft. Wesentliche Entscheidungen zu Förderinstrumenten, Regulierung und Investitionsbedingungen würden in Brüssel getroffen. Umso wichtiger sei es, die Interessen der ostdeutschen Wasserstoffregionen gemeinsam gegenüber den europäischen Institutionen zu vertreten. 
Dr. Felix Groba, Vorstand der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland, hob die Rolle des Verbunds als gemeinsame Plattform der ostdeutschen Länder hervor. Der IWO bündele Kompetenzen und Interessen der beteiligten Bundesländer und schaffe damit die Grundlage für eine koordinierte Zusammenarbeit beim Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft. Ziel sei es, die Stärken Ostdeutschlands sichtbar zu machen und gemeinsam Impulse für die europäischen und nationalen Rahmenbedingungen zu setzen. 

Europäische Perspektive auf den Wasserstoffhochlauf 
In seiner Keynote beleuchtete Tudor Constantinescu, Principal Adviser des Generaldirektors der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission, die Rolle von Wasserstoff für die europäische Energie- und Industriepolitik. Er ging auf den Stand des Wasserstoffhochlaufs in Europa ein und stellte aktuelle Maßnahmen der Europäischen Union zur Förderung von Produktion, Infrastruktur und regionalen Wasserstoffprojekten vor. 

Ostdeutsche Projekte zeigen die Bandbreite der Wasserstoffwirtschaft 
Im Anschluss präsentierten Vertreterinnen und Vertreter aus allen sechs ostdeutschen Bundesländern konkrete Wasserstoffvorhaben entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 
Für Berlin stellte die GASAG den Aufbau des Berliner Wasserstoff-Startnetzes vor. ENERTRAG präsentierte für Brandenburg seine Vorhaben zur Produktion erneuerbaren Wasserstoffs und nachhaltiger Kraftstoffe. H2APEX zeigte die Entwicklung Lubmins zu einem zentralen Wasserstoffstandort in Mecklenburg-Vorpommern. ONTRAS stellte das H-Startnetz in Sachsen vor. VNG präsentierte mit dem Energiepark Bad Lauchstädt ein Elektrolyseprojekt in Sachsen-Anhalt, das kurz vor der Inbetriebnahme steht. Für Thüringen zeigte TH2ECO Perspektiven für den Aufbau eines regionalen Wasserstoffökosystems auf. 
Die Beispiele machten deutlich, welche Dynamik sich in den vergangenen Jahren in Ostdeutschland entwickelt hat und welchen Beitrag die Region zum europäischen Wasserstoffhochlauf leisten kann. „Die vorgestellten Projekte haben deutlich gezeigt, welches Potenzial Ostdeutschland für den Wasserstoffhochlauf besitzt“, sagte Härle. „Damit aus diesem Potenzial noch weitere Investitionen und Wertschöpfung entstehen, brauchen Unternehmen Planungssicherheit und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.“ 

Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen 
Im abschließenden Panel diskutierten Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Hildegard Bentele, Mitglied des Europäischen Parlaments, Jorgo Chatzimarkakis, Chief Executive Officer des europäischen Wasserstoffverbandes Hydrogen Europe sowie IWO-Geschäftsführer Dominik Härle über die Auswirkungen europäischer Regulierungen auf Investitionsentscheidungen in der Wasserstoffwirtschaft. 
Einigkeit bestand unter den Panelisten darüber, dass die aktuellen regulatorischen Vorgaben für erneuerbaren Wasserstoff den Markthochlauf unnötig erschweren. Insbesondere die RFNBO-Regelungen mit ihren Anforderungen an Zusätzlichkeit und zeitliche Korrelation seien in ihrer heutigen Ausgestaltung zu starr und würden Investitionen ausbremsen. Dadurch gerate die Wasserstoffproduktion gegenüber anderen Anwendungen ins Hintertreffen. Die von der Europäischen Kommission angekündigte Überarbeitung der Regelungen wurde deshalb als wichtiger Schritt begrüßt. Aus Sicht der Diskussionsteilnehmer müssen die Vorgaben praxistauglicher werden, damit Investitionen schneller umgesetzt und Wasserstoffprojekte wirtschaftlich betrieben werden können. 
Gleichzeitig hoben die Panelisten hervor, dass europäische Förderinstrumente wie die IPCEI-Projekte sowie Infrastrukturprogramme wichtige Impulse für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft setzen. Wasserstoff könne einen entscheidenden Beitrag leisten, die Energieversorgung der Europäischen Union resilienter und unabhängiger zu gestalten. Dafür seien jedoch pragmatische politische Entscheidungen und ein zügiges Handeln erforderlich. 
Im Zusammenhang mit dem Thema Resilienz wurde zudem die Bedeutung technologischer Wertschöpfung hervorgehoben. Die Diskussionsteilnehmer verwiesen auf die vielfältigen Kompetenzen Ostdeutschlands im Bereich der Wasserstofftechnologien, die beim Aufbau einer europäischen Wasserstoffwirtschaft stärker genutzt werden sollten. 
Ein weiterer Schwerpunkt war der Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur. Die Finanzierung des europäischen Netzausbaus müsse zeitnah geklärt werden. Ein leistungsfähiges Wasserstoffnetz sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa und eine zentrale Voraussetzung für Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Entsprechend große Bedeutung maßen die Diskussionsteilnehmer dem angekündigten europäischen Grids Package bei. 
Mit dem Policy Dialogue brachte die IWO die Perspektiven der ostdeutschen Wasserstoffregionen direkt in die europäische Debatte ein. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Ostdeutschland über die notwendigen Voraussetzungen verfügt, um eine zentrale Rolle beim Aufbau einer europäischen Wasserstoffwirtschaft einzunehmen. Gleichzeitig wurde klar: Für den erfolgreichen Hochlauf braucht es verlässliche politische Rahmenbedingungen, den zügigen Ausbau der Infrastruktur und eine Regulierung, die Investitionen ermöglicht statt hemmt. 

Gemeinsame Stimme der ostdeutschen Länder 
Die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland e.V. ist die gemeinsame Plattform der sechs Bundesländer im Osten Deutschlands, um die Wasserstoffwirtschaft länderübergreifend voranzutreiben. Sie bündelt die regionalen Expertisen und Stärken aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Bund unterstützt die Initiative als Netzwerkmitglied. 

Bilder: © Lode Saidane

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